Da ich die letzten 2 Jahre im Winter auf ein Trainingslager verzichtet habe, wollte ich mich für die kommende Saison spezifischer vorbereiten und entschloss mich deshalb ein 2 wöchiges Trainingslager auf Lanzarote zu absolvieren. Zufällig entdeckte ich, dass zu diesem Zeitpunkt das jährliche UCI 4 Stage MTB Race auf Lanzarote stattfindet. Nach Absprache mit meinem Trainer Jörg entschieden wir eine Radlizenz zu lösen und das international stark besetzte Rennen als Training zu nutzen. Der Plan war somit klar. Die erste Woche wurden einige Grundlagenkilometer gemacht (ca. 20km Schwimmen 350km Rad und 80km Laufen) und in der zweiten Woche hieß es Feuer frei für vier sehr intensive Etappen auf dem MTB. In den knapp 4 Monaten die ich bei Jörg trainiere haben wir viel Wert auf den Grundlagen und Kraftausdauer Bereich auf dem Rad gelegt. Dadurch habe ich meinen wöchentlichen Radkilometerschnitt fast verdoppelt und wollte somit beim Etappenrennen schauen ob sich das gezielte Training ausgezahlt hat.

1. Etappe 42km ca. 600hm

Nachdem ich am Vorabend die Startunterlagen geholt habe ging es schon am Samstag Vormittag los. Ich muss zugeben etwas nervös war ich vor dem Start schon, als die Lizenzfahrer einzeln aufgerufen wurden. Ich ging mit Startnummer 58 ins Rennen. Da es mein erstes MTB Rennen als Lizenzfahrer war, wusste ich noch nicht so richtig was mich erwartet nachdem der Startschuss fiel. Es wurde brutal hart angefahren und die Spitze verlor ich schon nach dem ersten Kilometer aus der Sichtweite. Leider fühlten sich die Beine noch etwas träge an und mir fiel es nicht leicht das Hinterrad meiner Mitstreiter zu halten. Trotzdem versuchte ich um jeden Platz zu kämpfen bevor es in die Trails ging. Dabei waren teilweise Wattwerte zwischen 400-500 Watt normal. Ich fragte mich nur was treten die Jungs die vorne fahren 😉 Da es an diesem Tag sehr windig war sprengte es das Fahrerfeld sehr schnell und es entstanden mehrere kleine Gruppen. An diesem Tag musste ich vom ersten bis zum letzten Kilometer kämpfen. Nach einer Fahrtzeit von 1.48h erreichte ich auf Platz 58 erschöpft das Ziel. Mit einer NP von 299 Watt erreichten mich gleich sehr kritische Blicke meines Coach wo ich gleich wusste das ist nicht mein Potenzial. Ich kann mich noch gut an den ersten Satz von ihm erinnern: „Das war zu wenig!“ Vielleicht steckte mir doch noch das Training von den Vortagen in den Knochen. Aber Ausreden wollte ich keine suchen und es einfach am nächsten Tag besser machen.

2. Etappe 60km ca. 900hm

Nach kurzem warm fahren fiel an diesem Tag schon um 9 Uhr der Startschuss. Mir war klar es werden wieder richtig harte Kilometer die am Anfang gefahren werden. Zum Glück kam ich diesmal besser ins Rennen und auch die Beine fühlten sich gut an. Nach knapp 15km musste ich nochmal genau auf mein Garmin schauen da es eine NP von 350 Watt anzeigte. Ich befand mich kurz hinter der zweiten großen Gruppe nur um einmal einzuordnen wie hart bei diesen Rennen angefahren wird.

Da tat ich mir als Triathlet wirklich schwer, da mir das gleichmäßige Fahren mehr entgegen kommt als die ständigen Rythmuswechsel. Aber ich wollte unbedingt in die zweite Gruppe und kämpfte mit einem isländischen Mitstreiter um den Anschluss. Leider erwischte er in einem Trail einen großen Stein mit dem Hinterrad der mir ins Rad rollte und mich zu Fall brachte. Nachdem ich den Lenker wieder gerade gebogen hatte sprang ich mit ein paar Schürfwunden wieder aufs Bike und versuchte Anschluss zu finden. Leider war es durch den Sturz aussichtslos auf die große Gruppe wieder aufzufahren.Trotzdem hatte ich viel bessere Beine als am Vortag und konnte einige Plätze gut machen. In Richtung Platz 30 erreichte ich nach 2h 20min zufrieden das Ziel. Auch der Coach schenkte mir einen Schulterklopfer und war an diesem Tag zufrieden. Die NP war an diesem Tag mit 327 Watt auch deutlich höher.

3. Etappe Bergeinzelzeitfahren 21km ca. 800hm

Motiviert vom Vortag ging ich in mein erstes Zeitfahren meines Lebens. Dank ein paar kostbaren Tipps meines Coaches, der mir mehrmals versicherte es wird von Anfang bis Ende Anschlag gefahren und ich soll dabei meine Ruhe bewahren, ging es um 12.05 Uhr für mich los. Die Marschroute hieß eine Stunde Vollgas bei 360 bis 370 Watt. Schnell überholte ich ein paar Fahrer die vor mir lagen und bis ca. der Hälfte der Strecke konnte ich die Vorgaben meines Trainers einhalten. Dann ging es bei starkem Wind in einen technischen Trail wo ein langes Flachstück danach folgte. Leider brachte mich das etwas aus dem Rhythmus und die letzten 5km des Anstiegs bei Gegenwind wurden zu einem echten Härtetest. Auf den letzten Metern feuerten mich nochmals die Freunde und Trainingskollegen Dominik und Harry an. Mit einer Zeit von 59 Minuten erreichte ich als letzter Fahrer unter der 1h-Marke das Ziel. Das Gesicht nach einem Bergrennen erinnert wohl mehr an Tollwut 🙂 Leider konnte ich die vorgegeben Wattwerte nicht ganz halten aber mit einer NP von knapp 350 Watt und einem Durchschnittswert von knapp 340 Watt konnte ich trotzdem gut Leben. Auch in der Gesamtwertung konnte ich ein paar Plätze gut machen.

4. Etappe 85km ca. 1700hm

Und schon stand die letzte der vier Etappen auf dem Plan. Mit 85km wartete zum Schluss noch einmal die Königsetappe auf die Fahrer. Pünktlich um 9Uhr fiel wieder der Startschuss. Nach kurzem motivieren sich noch einmal mit müden Beinen zu quälen, hatte ich aufeinmal richtig gefallen dran gefunden noch einmal alles aus dem Körper raus zu holen. Ich erwischte auch meinen besten Start und mir fehlten sogar nur ein paar Meter zum Anschluss in die Spitzengruppe. Im Nachhinein bin ich wahrscheinlich etwas zu motiviert das Rennen angegangen da ich auf den ersten 15-20km die Gruppe anführte. Das wurde mir am letzten Anstieg vor einem 20km Flachstück zum Verhängnis. Auf einmal attackierten alle und ich konnte die Gruppe nicht mehr halten obwohl ich voll in den roten Bereich ging. Als Strafe für mein zu übermotiviertes Anfahren musste ich dann das lange Flachstück bei Gegenwind alleine ohne Gruppe fahren. Das kostete natürlich wichtige Körner. Nach ca. km 40kam ich dann zum längsten Anstieg des Tages der sich bis km 50 zog. Dort fuhren dann ein paar Verfolger auf mich auf, wo ich mich dann erstmal in der Gruppe zurückhielt. An diesem Tag verbrauchte ich 9 Gels unseres Sponsors UltraSports, die mich aber zu keinem Einbruch zwangen. Am höchsten Punkt des Tages angekommen verlor ich leider in einer technischen Abfahrt auch den Anschluss dieser Gruppe. Aber ich sagte mir das ist gutes Training und versuchte nochmal auf dem Weg ins Ziel alles aus mir rauszuholen. Am Ende des Tages kam ich als 42 ins Ziel und beendete als 33 Elitefahrer die Rundfahrt. Damit konnte auch mein Trainer gut Leben bei einem Feld von vielen internationalen Weltcupfahrern. Vor allem die Wattwerte auf den 3h 39min waren sehenswert!

Fazit

Die Landschaft in Lanzarote ist doch nicht so Öde wie ich sie vorher wahrgenommenen haben. Ich habe viele schöne Streckenabschnitte erlebt mit atemberaubender Aussicht. Außerdem habe ich super Erfahrung mit den Reifen von Maxxis gemacht, bei denen ich trotz spitzen Lavasteinen keinen Defekt hatte. Das ist für mich nach dem vielen Pech von letzter Saison sehr wichtig und es wird nicht mein letztes Lizenzrennen auf dem MTB bleiben 😉